
Generation der Zukunft braucht ihren Platz im Leben
Südwestfälische Kirchenkreise schließen sich NRW-weiten Kampagne „Generation Zukunft“ an.
Olpe. Kindern und Jugendlichen mehr Möglichkeiten zur aktiven Beteiligung an der Gestaltung der Gesellschaft zu geben, dazu hat die Evangelische Jugend Siegen am Freitag (24.09.) im Rahmen einer Aktion in der Innenstadt in Olpe aufgerufen. Die Initiative „Generation Zukunft“ fragt nach den Lebensträumen und Wünschen der Jugendlichen zwischen 12 und 27 Jahren. Um diese Frage zu beantworten, konnte eine Gruppe Konfirmanden aus Olpe lebensgroße Jugendliche aus Holz kreativ mit eigenen Wünschen für die Zukunft gestalten. Bereits im Vorfeld hatten Jugendliche der Evangelischen Jugend Siegen einige dieser Figuren bearbeitet. Die fertigen Werke waren während der Aktion zu besichtigen.
Jugendliche und Passanten waren außerdem eingeladen, an einem überdimensional großen Tisch mit Stuhl Platz zu nehmen. Aufgrund des Dauerregens am Freitag, der die Stimmung der Beteiligten jedoch nicht trüben konnte, mussten Tisch und Stuhl durch eine Abdeckfolie vor dem Wasser geschützt werden und konnten so lediglich betrachtet werden. Symbolisch stand dieser Stuhl dafür, dass jeder seinen Platz im Leben braucht. Besonders junge Menschen sind darauf angewiesen, dass Erwachsene ihnen helfen, mit den oft zu groß erscheinenden Rahmenbedingungen des Lebens zurechtzukommen, um ihren eigenen Platz in der Welt zu finden.
Große „Merkzettel“, die auf dem Gehweg verteilt waren, gaben polarisierende Aussagen wider und animierten zu Gesprächen unter Regenschirmen auf der Straße. So war unter anderem zu lesen: „Jugendliche von heute interessieren sich doch eh für nichts“ und „Ein Drittel aller Jugendlichen engagiert sich ehrenamtlich“ oder „Jugendliche von heute wollen doch gar nichts mehr lernen“ und „Ehrenamtliche Jugendliche bilden sich in ihrer Freizeit freiwillig weiter“.
Einheit in wichtigen Fragen
Die Aktion wurde von dem Zusammenschluss der Jugendarbeiter der südwestfälischen evangelischen Kirchenkreise Siegen, Wittgenstein, Iserlohn, Lüdenscheid-Plettenberg und dem Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen initiiert, mit der sich diese der Initiative „Generation Zukunft“ der Jugend- und Jugendsozialarbeit in NRW anschließen. Die Bedeutsamkeit der angesprochenen Themen für die Kirche von morgen wurde auch durch die Anwesenheit der leitenden Theologen der beteiligten Kirchenkreise unterstrichen. „Es ist gut, dass es diesen Zusammenschluss gibt, denn dadurch wird deutlich, dass wir gemeinsam für ein Profil einstehen“, so Annette Kurschus, Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Siegen. Besonders wichtig, so betonten die Initiatoren, seien ihnen aus dem Themenspektrum der Initiative die Schwerpunkte Bildung und Mitbestimmung. Jungen Menschen Möglichkeiten zur Entfaltung ihrer Talente und Begabungen zu geben, sie außerhalb der Schule zu fördern sowie die Entwicklung zu selbstständigen, sozial engagierten Mitbürgern zu unterstützen, diese Ziele gehörten zu den zentralen Werten der Evangelischen Jugend der Kirchenkreise.
Jugendliche als Akteure
„Dort, wo Jugendliche Angebote selbst planen und mit gestalten können, sich ausprobieren können, da bringen sie sich auch gerne ein und erleben diese Orte als ihre Heimat“, erläuterte Udo Bußmann, Landesjugendpfarrer der Evangelischen Kirche von Westfalen. Dies zeigten auch die aktuellen Jugendstudien ganz deutlich. Dazu sei es aber nötig, dass Erwachsene Jugendlichen diesen Raum auch zur Verfügung stellen, so Bußmann.
Ehrenamtliche erführen eine qualifizierte Ausbildung, die ausgearbeiteten Qualitätsstandards unterliege, und sie so in die Lage versetze, ihre Aufgaben in der Jugendarbeit kompetent und verantwortungsvoll wahrzunehmen. Wissensvermittlung geschehe aber darüber hinaus noch viel grundlegender. „Es geht um Bildung bis hin zur Herzensbildung: Liebe, Solidarität, respektvoller Umgang miteinander“, erklärte Martina Espelöer, Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Iserlohn. Bildung passiere schließlich nicht nur in der Schule. Evangelische Jugend vermittle insbesondere informelle Bildung, wie die Aneignung von Schlüsselkompetenzen: Selbstmanagement, Kritik- und Teamfähigkeit, Leitungskompetenz, aber auch Werte wie Gemeinschaftssinn und Solidarität. Dies alles könne in der Evangelischen Jugend gelernt und eingeübt werden. Diese Fähigkeiten seien auch für das zukünftige Berufsleben der Engagierten von Vorteil und erhöhten ihre Zukunftschancen. Für eine adäquate, allgemein anerkannte Bescheinigung dieser erworbenen Qualifikationen, um diese beispielsweise bei Bewerbungen angeben zu können, setze sich die Evangelische Jugend nachhaltig ein.
Schritte auf Landesebene
Die Evangelische Kirche von Westfalen hat bereits einiges für die Partizipation von Kindern und Jugendlichen in ihren eigenen Reihen getan. Bereits 1997 wurde von der Jugendarbeit die Kampagne „Ohne uns sieht eure Kirche alt aus“ initiiert, die innerhalb der Landeskirche breite Beachtung fand. Als Resultat daraus sind heute bestehende Beteiligungsmodelle wie ein alle zwei Jahre stattfindender westfalenweiter Kindergipfel oder die regelmäßige Beteiligung von Jugendlichen an leitenden Gremien bis hin zur Landessynode, dem höchsten beschlussfassenden Gremium der Landeskirche, zu werten. Bußmann warnt aber: „Wir fangen zwar nicht bei null an, müssen aber immer wieder uns selbst und andere erinnern und ermutigen, den begonnenen Weg weiterzugehen.“ Die Aktion, so betonten die Verantwortlichen, solle nicht nur kirchenintern, sondern auch Schule und Politik dazu aufrufen, mehr Beteiligung von Jugendlichen zu wagen.
Für die Kirche von morgen
An diesem Tag wurde eines sehr deutlich: Trotz oder gerade aufgrund des demografischen Wandels bleibt die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen eine Schwerpunktaufgabe der Evangelischen Kirche von Westfalen. Superintendent des Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg Klaus Majoress dazu: „Alle heute beteiligten Kirchenkreise haben sich die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen deutlich auf die Fahne geschrieben. Alle sind willkommen, wir fragen nicht nach Grenzen.“ Die Verständigung mit Jugendlichen über ihre Lebenswirklichkeiten und Jugendliche immer wieder neu mit ihren Stärken wahrzunehmen und zu fördern, ist eine lohnende Investition in die Zukunft.
Kampagne Generation Zukunft
Mit der Kampagne „Generation Zukunft“ werben die Träger der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit in NRW mit Unterstützung des Jugendministeriums des Landes dafür, die Rahmenbedingungen für die Verwirklichung der eigenen Lebenspläne Jugendlicher aktiv mitzugestalten.
Die Kampagne greift landesweit die Themenbereiche der Kinder- und Jugendarbeit auf, die in den kommenden Jahren aufgrund gesellschaftlicher und demografischer Entwicklungen verstärkt in den Fokus rücken. Dazu gehören die Handlungsfelder Bildung – Ausbildung – Arbeit, Mitbestimmung, Integration, Jugendarmut sowie die Förderung kultureller Jugendarbeit. Zurück zur News-Seite
